Donnerstag, 17. Dezember 2015

2015 ist ein wirklich schwieriges Jahr gewesen.

Aber ich muss nach diesem Jahr etwas loszuwerden. Ich möchte zum ersten Mal das abgegriffene Wort „Stolz“ öffentlich verwenden. Ich bin wirklich stolz auf mein Vaterland Deutschland und mein Mutterland Schweden. In diesen beiden Ländern ist in der schwierigen Zeit der großen Flüchtlingsbewegung so reagiert worden, wie ich es mir gewünscht hätte. In einigen anderen Ländern ebenfalls, Österreich, Griechenland, Italien. Natürlich gibt es auch die Verbrecher, die Brandsätze werfen und grausame Dummheiten rufen. Natürlich gibt es auch die europäischen Länder, die wohl noch immer in dem alten, traditionellen Nationalismus verharren und den europäischen Gedanken nur ernst nehmen, wenn er nützlich für sie ist. Aber das adelt geradezu den Eindruck, den unser Land in dieser Krise der islamischen Welt abgegeben hat.
Ich habe noch nie die CDU gewählt, aber die Kanzlerin Angela Merkel hat all’ meinen Respekt. Ihr Verhalten hat kein Chaos ausgelöst, sondern eines verhindert. Mein Fazit: In Zeiten höchster Problematik sind unsere menschlichen Maßstäbe nicht so weit auseinander, wie die Auseinandersetzungen über tagespolitische Angelegenheiten manchmal suggerieren. Wer sich die Mühe macht, sich auszumalen, was passiert wäre, wenn die EU-Außengrenze funktioniert hätte, wie es sich viele Politiker Europas wünschen, kommt in seinen Überlegungen schnell zu Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl.
Ich nehme auch alle Bedenken durchaus ernst. Das wird nicht so leicht werden. Man kann sich sicherlich auch vorstellen, dass mir als lebenslangen Atheisten Progressiveres  einfallen könnte, als eine Million gläubige Muslime im eigenen Land. Das ist auch für mich ein harter Brocken. Mein Leben lang habe ich mir eine Welt ohne Kriege und Grenzen, aber auch ohne Religionen vorgestellt und gewünscht. Wie hieß es in John Lennons Imagine:
"Stell dir vor, es gäbe keine Länder, Das ist nicht so schwer. Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnte. Und auch keine Religion."

Doch solche langfristigen Wunschträume sind nebensächlich, wenn es um die unmittelbare Hilfe für Menschen in Not geht. Gerade aus den Religionen haben wir den Begriff der Nächstenliebe. Und wenn er irgendeinen Sinn haben sollte, dann ist der in diesem Moment gefragt. Nicht nur von den Christen, auch von uns Atheisten.